Diese Menschen vergesse ich nie

Ich bin zurück in Marrakesch. Es hat 45 Grad. In Essaouira waren es 27. Mein Wohlbefinden ist erstmals aus dem Gleichgewicht. Ich schwitze komischerweise nicht. Nur der Kreislauf und Kopfschmerzen plagen mich.

Fast wie in Trance gehe ich die Gassen entlang…lacht mich ein alter Mann ohne Zähne an und fragt mit Handzeichen, ob ich auf die Ladefläche seines Eselgefährts aufsitzen will. ‚Shukran‘ höre ich mich sagen und schon sitze ich auf dem Eseltaxi.

Er müsse zum Djemma el Fna, zum Gauklerplatz, erklärt er mir auf Arabisch…da muss ich auch hin, sag‘ ich auf englisch….wir verstehen uns…

Die Händler in den Souks lachen uns an, alle kennen den Mann und sahen ihn wohl noch nie mit diesem Frachtgut auf der Eselkutsche. Am ‚Big Square‘ findet die halbstündige Fahrt ihr Ende. Ich will dem Mann ein paar Münzen geben, die er nicht nehmen will…erst nach langem hin und her, nimmt er sie an. Ich verabschiede mich dankend und ziehe demütig weiter…

In Essaouira traf ich einen jungen Burschen in traditioneller Wüstenkleidung wieder, den ich im April in Marrakesch in einem Café traf. ‚The world is a village‘ sagt er beim zufälligen Wiedersehen. Damals erzählte er mir, er käme direkt aus der Wüste, hat die letzten vier Monate mit Kamelen verbracht, die er übrigens Barack Obama, Lady Gaga und Shakira getauft hat. Außerdem bietet er ‚Couchsurfing‘ in der Wüste an…..Diese Art von Humor ist in Marokko weit verbreitet…. Er zieht von Stadt zu Stadt, um vielleicht ein Business zu ergattern….

Bis bald, sagt er zum Abschied. Für ihn ist klar, dass man sich wiedersieht.

 Ich sitze auf einer Parkbank am Hafen. Eine Mutter und ihr Kind mit Down-Syndrom setzen sich neben mich. Wir lachen uns an. Der Junge geht zu anderen Kindern hin, die gerade Eis essen…Er will auch eines. Der Vater dieser Familie gibt ihm eine Münze für ein Eis. Er strahlt übers ganze Gesicht. Die Mutter auch. Sie hätte ihm wohl kein Eis kaufen können. Ich verabschiede mich. Nach längerer Zeit höre ich den Jungen, wie er mir auf Arabisch zu ruft: ‚Fi Amanillah‘….was in etwa bedeutet: Gott schütze dich….

 Ich dreh‘ mich nochmal um, wir lächeln uns zu. Ich habe Gänsehaut am ganzen Körper.

All‘ diese Begegnungen verändern. Sie machen demütig und lassen erkennen, worum es eigentlich geht…. wir glauben, Geld ist der erste Gedanke, wenn diese Menschen einen Touristen sehen….dem ist nicht so….wenn wir anfangen, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und aufhören, sie auf Abstand zu halten, vorlauter Angst hintergangen zu werden.

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