Marrakesch hat mich gebrochen

Ich bin seit gestern in Valencia und lasse einen Monat Marokko revue passieren. Noch etwas benommen von den vielen Eindrücken, spüre ich ganz klar, ich muss das jetzt erstmal verarbeiten.

Wie meistens, kam alles anders als geplant. Ich hatte mir vorgenommen, für meine Masterarbeit zu recherchieren, Interviews zu machen, eine Gruppenreise für den Frühling zu organisieren…an meinem Buch weiterzuschreiben…

Was stattdessen passierte…

…Marokko hat mir den Wind aus den Segeln genommen.

Das ständige Vorwärtstreiben, das disziplinierte Abarbeiten von To-Do- Listen, das Multitasking und das ‚in kurzer Zeit viel schaffen wollen‘…funktionierte in Marrakech nicht. Ich musste meinen Turbo von 100 auf 10 % drosseln…

…und letztlich lernen, mich hinzugeben….Mitzugehen mit dem Treiben und den Energien des Landes….Marrakesch und seine Menschen lassen einem gar keine andere Wahl…

So habe ich mich (nach größeren Widerständen) geöffnet für diesen Prozess…hab‘ mich an die Hand nehmen lassen von etwas Größerem…das mich hingeführt hat in weibliche Qualitäten….Vertrauen, Loslassen, Hingabe, Öffnung, Führen lassen, Akzeptieren und das Tolerieren anderer Lebenswelten.

Man könnte sagen, Marrakesch hat mich gebrochen. Strenge ist der Sanftheit gewichen. Meine ‚Mit dem Kopf durch die Wand – Mentalität‘ hatte keine Chance zu bestehen.

Ich darf erst sehen, wie sich das im Alltag zeigt und ob mich meine verinnerlichte Langsamkeit zu Hause fördert oder hindert…

Jedenfalls hat ‚Zeit‘ eine neue Bedeutung gewonnen. Es geht nun vielmehr darum, alles nach der Reihe zu machen und dabei ganz bei einer Sache zu bleiben. ‚Viel‘ und ‚schnell‘ und ‚gleichzeitig‘ habe ich verabschiedet…

‚Ganz da zu sein‘ gibt meiner Zeit eine wahrlich neue Qualität und meiner Lebenszeit eine neue Bedeutung.

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